Die Fremde in dir…

Nun endlich bei dir angekommen,  fühle ich mich so deplatziert, als hätte ich mich in der Wohnungstür geirrt.

Du umsorgst mich – kochst extra für mich etwas, gegen das ich nicht allergisch bin- auch wenn du weißt, dass ich selbst nicht darauf achte… Während du kochst, willst du lieber allein sein und ich warte geduldig, ob du irgendwann wiederkommen magst. Und wenn mich die Sehnsucht doch mal zu dir treibt, sorgst du ganz schnell dafür, dass ich wieder das Weite ziehe…

Die meiste Zeit jedoch, gehst du arbeiten, lässt mich hier allein, während du etwas Geld für deinen Lebensunterhalt verdienst. Gemeinsam mit der Katze warte ich ungeduldig darauf, dass du irgendwann mitten in der Nacht wieder nach Hause kommst. Wenn du wieder da bist, bist du verspannt & genervt – aber insgeheim bin ich stolz auf dich, dass du neben deinem Studium ganze 3 Jobs managst und immernoch nicht durchgedreht bist… Ich versuche dir etwas Gutes zu tun, massiere dich und gönne dir deine Ruhe…

Später, wenn du müde  genug bist um einschlafen zu können, kletterst du in dein Hochbett, rollst dich in deine Decke ein und drehst dich auf die Seite. Ich bin jede Nacht aufs neue irritiert, dass aus einer Decke plötzlich zwei geworden sind und du nun lieber deinen Freiraum hast – ich enge dich ein, sagst du, daher bleibe ich auf “meiner” Seite. Ein bisschen fühle ich mich, als stände ich neben mir, denke die ganze Nacht nach und kann nun nur noch weniger begreifen… Und so benehme ich mich momentan wohl auch, eben verwirrt, verstummt und wohl auch ein bisschen mieß gelaunt.

Ich  weiß zwar, das wir uns einmal versprochen haben, dass wir aktzeptieren was das Leben der jeweils Anderen so ausmacht, doch bisher lernte ich dich in deinem Leben nur als Studentin, Köchin, Hausfrau, Reiseführerin und Karrierefrau kennen. Was jedoch verloren gegangen ist, scheint meine Partnerin & Geliebte zu sein.

Ich versteh die Welt nicht mehr…

Du kochst für mich leckeres Essen mit möglichst wenig Eiweiß-oft stundenlang, hast mir Fahrkarten bereit gelegt, mir eine Stadtkarte und ein U-Bahn-Netz besorgt (hast mir darauf extra mit einem kleinen Kreuz markiert, wie ich nach Hause komme, falls ich mich verfahre), willst mit mir die Stadt erkunden und sogar einen Pferdehof  besuchen, obwohl du Pferde nicht ausstehen kannst…

Und dennoch, trotz all deiner Mühen, fühle ich mich hier gerade einsamer als Zuhause. Wäre ich nun in Deutschland, würden uns 720km von einander trennen- das wäre etwas handfestes, was ich aktzeptieren könnte, weil man Entfernungen überwinden kann…

Hier in Wien trennen uns nur wenige Zentimeter, doch sie wirken wie eine gut bewachte Grenze, die absichtlich zwischen uns beiden gezogen worden ist…

Also bleibe ich auf meiner Seite der Mauer und beobachte wie sie immer größer wird..

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